Synchronstimme, geh runter

 

 

Bei Z common ground lässt sich auf dem Boden der Kellerrampe die Textcollage »Synchronstimme, geh runter« entdecken:

Wenn du rückwärts gehst und du scrollst und du denkst, dass du liest, aber eigentlich nur scrollst ist nah am Körper nur das Fon.

 

Photo: Luis Carr

Photo: Campos Viola Photography

Photo: Lea Wilsdorf


Textcollage, Handschrift auf Kellerrampe /Z common ground München 2019

 

2.500.000 Jahre v. Chr. ist der aufrechte Gang revolutionär in der menschlichen Evolution. Du steigst rückwärts ins Schwimmbad herab.
Von Fassaden unzähliger Mietwohnungen umgeben, ist es im eigenen Kosmos versteckt.  Angeschlossen an die Wellenleitung schaust du auf dein Fon. Anweisungen kommen per Nachricht: >Du kannst die sanitären Anlagen im Fitnessstudio 2. OG besuchen, bist dazu aber nicht verpflichtet. Für Versorgung steht die Pommeskrake zur Verfügung. Im Duft der Fritöse verschwindet das Böse. Nah am Körper ist nur das Fon. Geh durch den vergilbten PVC-Vorhang in den Freischwimmerbereich zum großen Bühnenbecken, die Lappen klatschen dir beim Durchgehen über die Schultern, vorbei an Skaterampen auf das liquide Parkett. Beobachte den GROUND und finde deine ganz persönliche Variation. Nutze die vorhandenen Sitzgelegenheiten zur Grübelei und als Ablagefläche.<
Eine Weile schaust du den Synchronschwimmer*innen im großen Becken zu. Eine hat sich vertan, sie hinkt für einen kurzen Moment der Choreographie hinterher. Das menschliche Auge kann bereits unterscheiden, wenn Bild und Ton im Film nur wenige Millisekunden asynchron laufen. In deinem Kopf geht die Synchronstimme weiter. Wenn er die Stimme für den dargestellten Typ unpassend hielt ließ Rainer Werner Fassbinder seine Schauspieler*innen synchronisieren.
Da taucht die Bademeisterin vor dir auf, gespielt von Birgit Minichmayr. Kurz lenkt dich ein Anflug von Neid auf ihre tiefe Stimme von dem ab, was sie sagt: „Und ich, ich möchte einfach aus tiefstem Herzen die Herzen so rühren. So sehr, sehr rühren, dass sie sich politisch verhalten.“
Der Applaus erfolgt mit schrumpelnden Fingern.

Mit Textfragmenten von Elena Carr, Birgit Minichmayr, Monika Rinck, Lea Wilsdorf